Presse- Echo * * * Velvet 1996
Bericht über Alpha A. Kruse, Body Talk, B. Simpo Simpor

T A L E N T S

VON GEBURT AN DRÜCKT SICH DER MENSCH DURCH SEINEN KÖRPER AUS. NEBEN DER SPRACHE IST ER DAS WICHTIGSTE KOMMUNIKATIONSMITTEL DES MENSCHEN. TANZ BIETET UNS ALS EINE FORM DES AUSDRUCKS DIE MÖGLICHKEIT, UNS IN KÖRPERLICH-GEISTIG-SEELISCHER GESAMTHEIT UNMITTELBAR DARZUSTELLEN UND ZU ERLEBEN!

Mit einem rhythmischen Stampfen der Füße fängt die Performance der Trommler und Tänzer an, dazu wird rhythmisch in die Hände geklatscht und es folgt der ein oder andere Urschrei, das "worm-up" der afrikanischen Tanzgruppe, die seit einigen Jahren nicht nur im Ruhrgebiet bei ihren zahlreichen Auftritten für Furore sorgt. Die Bewegung der Tänzer zu den jeweiligen Trommeleinlagen, die in Perfektion von dem Dortmunder Ralph Kruse und weiteren Trommlern vorgetragen werden, setzt sich fort in die Beine und in die Hüfte, bis hin zum Kopf, bis jeder Muskel nach dem Trommelschlag rhythmisch vibriert und die einzelnen Tänzer in reine Ekstase versetzt. So auch den Kopf der Tanz-Gruppe, den Wahl-Mülheimer Hampar Sarafian, der als ausgebildeter Tanzlehrer mit seiner Tanzleidenschaft die Europäer für die exotischen Tänze begeistern möchte.

Klicken zum Vergrößern "Von Geburt an drückt sich der Mensch durch seinen Körper aus. Neben der Sprache ist er das wichtigste Kommunikationsmittel des Menschen. Tanz bietet uns als eine Form des Ausdrucks die Möglichkeit, uns in körperlich-geistig-seelischer Gesamtheit unmittelbar darzustellen und zu erleben. Der Mensch, der oft einem "Zuviel" an Einflüssen unterliegt, kann in dieser ganzheitlichen lebendigen Gegenwärtigkeit sein Gleichgewicht wiederfinden," so der gebürtige Armenier über seine Tanzpassion. "Nach mehrmonatigen Studienaufenthalten in Togo, Ghana und Senegal, sowie einem langjährigen Unterricht bei verschiedenen Lehrern, die mich natürlich geprägt haben, ist es mein Ziel, die energetische Wirkung afrikanischen und afro-amerikanischen Tanzes erfahrbar zu machen."

Wenngleich Hampar Sarafian nicht den traditionellen afrikanischen Tanz auf der Bühne darstellt, sondern nur die Technik als Basis benutzt, um seine eigenen Erfahrungen und Tanzausdrücke umzusetzen und zum Ausdruck zu bringen, gewinnt man jedoch auch als Zuschauer einen Eindruck von dem, was der afrikanische Tanz mit all seinen Mythen und Riten vermitteln möchte. Anfang der achtziger Jahre entdeckten sowohl Hampar Sarafian als auch Ralph Kruse vollkommen unabhängig voneinander bei Reisen durch den Schwarzen Kontinent den afrikanischen Tanz und Rhythmus und waren - jeder auf seine Art und Weise - "völlig fasziniert". Bei einer Sommerakademie im Rahmen einer Tanzausstellung in Togo kamen beide Männer erstmalig mit dem afrikanischen Tanz in Verbindung, die Leidenschaft war entflammt und jeder praktizierte zunächst für sich, bis sie sich fünf Jahre später im Ruhrgebiet kennenlernten und sich unter der Formation "Bodytalk" zusammenschlossen. Unabhängig voneinander lehrt die deutsch-afrikanische "Connection" nun auch deutschen Männern und Frauen sowohl das Trommeln als auch den afrikanischen Tanz. Bis Ende 1993 faszinierten die Wahl-Ruhrgebietler als Mitglieder in der bereits aufgelösten Gruppe "Good vibrations" ihre Zuschauer mit orientalischen, afrikanischen und südamerikanischen Rhythmen. Interessenten, die die Ekstase im Rhythmus der Buschtrommeln nun live erleben möchten, müssen trotz der Gruppenauflösung auf nichts verzichten, denn die einzelnen Mitglieder schlossen sich im Laufe der letzten Jahre zu neuen Formationen zusammen und begeistern das Publikum von Nord nach Süd in einer noch ausgefeilteren "Afro"-Formation: So stehen dem Liebhaber des afrikanischen Ausdruckstanzes nun eine Vielzahl von Tanzmöglichkeiten zur Verfügung, die man hier im Ruhrgebiet nie für möglich gehalten hätte: Trommeln und Tanz in Perfektion bieten neben Ralph Kruse und Hampar Sarafian, die Gruppe "Tan Tango Kosi" ("Schlag die Trommel" [Aufgelöst! Anmerk. Webmaster]), die aus acht jungen rhythmusbegeisterten Künstlern, Trommlerinnen und Tänzerinnen, besteht, die bereits im Jahre 1991 gegründet wurde. Diese "Afro-Ruhrgebiets-Gruppe" hat sich auf westafrikanische Rhythmen und Tänze spezialisiert. Das ausdrucksstarke Zusammenspiel von Trommlerinnen und Tänzerinnen entsteht einerseits durch die traditionelle Spielweise auf Originalinstrumenten (für europäische Ohren sehr gewöhnungsbedürftig), andererseits durch die intensive Zusammenarbeit der Gruppe, die sich wöchentlich gleich mehrmals treffen und proben.
Für eine bunte und lockere Atmosphäre sorgt die barfüßig tanzende Gruppe "B. Simpo Simpor"("Bunte Menschen"), die in landestypischen Trachten die verschiedenen afrikanischen Tänze interpretiert und entsprechend darstellt. Gefolgt von der Trommel-Gruppe "Trirhythmix" [Aufgelöst! Anmerk. Webmaster], die mit ihren verschiedenen Trommelsoli den Beginn der jeweiligen Performance einleiten: Kenner hören sofort den Unterschied, denn während die Djembe laut und dominant erklingt, ist die Doundoun eher dumpf, während die Bougarabou-Trommel heller ertönt und alle zusammen für die Exstase der Tänzer entscheidend sind. Denn, was für den Europäer monoton erklingt, ist für den afrikanischen Tänzer der Inbegriff der Lebensfreude. Beim Trommeln und Tanzen kann der rastlose Intellekt einmal ausruhen und uns einer viel älteren Daseinsform überlassen: der Ekstase.
Interessenten, die mehr über die Tanz- und Trommellehre erfahren und erlernen möchten, "Bodytalk" bietet entsprechende Kurse an (weitere Infos unter: [Siehe Afropott Termine Anmerk. Webmaster]).

Bericht von ANDREA PUHL in VELVET 1996